Entwicklung von E-Learning Projekten

Ein kurze Übersicht

Je nach theoretischem Ansatz gibt es verschiedene Ansätze, wie man bei der Entwicklung eines online Kurses vorgehen kann. Im Folgenden wurden mehrere Theorien kurz angerissen.

Ein sinnvolles Konzept ist das sogenannte backward design (McTighe & Wiggins): der Prozess der Kursentwicklung beginnt mit der Definition der erwünschten Resultate und wird dann rückwärts gerichtet entwickelt. Folgende Fragen werden während der Kurserstellung gestellt (Allen, D. & Tanner, K. 2007):

  1. Was sind die erwünschten Resultate, die die Studierenden auch noch lange nach Ende des Kurses beherrschen werden (Lernergebnisse = was sollen die Studierenden am Ende des Kurses können, wissen, demonstrieren etc.)?
  2. Welches Wissen und Können beweist am besten Kompetenz bzw. das Erreichen der Lernziele beim Studierenden?
  3. Wie sollte der Kurs aufgebaut sein, um die Lernziele zu erreichen?
    Dabei werden zunächst die Lernziele erklärt, um die Studierenden von der Sinnhaftigkeit des Kurses zu überzeugen (gerade bei online Kursen ist dieser Schritt sehr wichtig!). Die Lernaktivitäten müssen so geplant werden, dass eine hohe Interaktivität mit dem Kurs bzw. zwischen den Studierenden gegeben ist, z.B. durch Feedback, praktische Beispiele, Diskussionen unter den Studierenden bzw. mit dem Tutor.
    Die Kursthemen sollen den Lernzielen entsprechend gewählt und dann organisiert werden. Entsprechend den Lernzielen werden die am besten geeigneten Methoden/Aktivitäten ausgewählt, z.B. Text lesen, Fallbericht schreiben, klinische Untersuchung am Patienten üben, Video anschauen etc. Der Focus ist dabei auf das Lernergebnis gerichtet – nicht auf die Lerninhalte oder die verwendeten Methoden.
  4. Wie kann der Kurserfolg gemessen werden?
    Eine Evaluation des Lernergebnisses sollte auf verschiedene Weise erfolgen, um den unterschiedlichen Lernertypen gerecht zu werden, z.B. Selbsttests, Beurteilung durch Kommilitonen, Fortschrittstests (sich wiederholende Tests, die den Lernfortschritt laufend dokumentieren).
  5. Welche Kursevaluation eignet sich am besten für dieses Projekt?
    Abschliessend sollte ein Kurs immer evaluiert werden, z.B. durch die Frage: Beurteilen Sie auf einer Skala von 0 (nichts) bis 9 (alles) wie viel Sie in diesem Kurs gelernt haben! Sinnvoll ist auch die Stop-Start-Continue-Methode – die Antworten auf die drei Fragen – was soll begonnen werden, was gestoppt und was fortgesetzt – liefern wertvolle Informationen für die Dozierenden.


Der systematische, ergebnisorientierte Ansatz (D’Andrea, V.-M. 1999) orientiert sich ähnlich wie das backward design an den Lernergebnissen:
1. Definition der Lernergebnisse (learning outcomes).
2. Welche Themen sind in welcher Reihenfolge nötig, um die Lernziele zu erreichen?
3. Wer ist das Zielpublikum und was charakterisiert es (Vorwissen, Lernstile, Motivation für Kurs etc.)?
4. Entwicklung der Kurseinheiten entsprechend der Lernziele.
5. Überprüfung des Lernerfolges.
6. Revision des Kurses je nach Ergebnis und Evaluation.

 

Generell sollte bei der online Kurserstellung bedacht werden, welche Gründe für das schlechte Abschneiden von online Kursen häufig angegeben werden:

  • Studierende fühlen sich isoliert.
  • Sie haben ein Zeitmanagementproblem.
  • Der Zugang zum Lernmaterial, anderen Lernenden, den Tutoren etc. ist nicht zufrieden stellend.
  • Mangel an promptem Feedback, unklare Anleitungen sowie keine Angaben an wen man sich bei Problemen wenden kann…

 

Quellen:

Allen, D. & Tanner, K. (2007). Putting the Horse Back in Front of the Cart : Using Visions and Decisions about High-Quality Learning Experiences to Drive Course Design. CBE - Life Sciences Education, 6 (Summer), pp.85–89.
 

D’Andrea, V.-M. (1999). Organising Teaching and Learning: Outcomes-based Planning. In H. Fry, S. Ketteridge, & S. Marshall, eds. A Handbook for Teaching and Learning in Higher Education. London: KoganPage, pp. 41–57.
 

Dror, I., Schmidt, P. & O’Connor, L. (2011). A cognitive perspective on technology enhanced learning in medical training: great opportunities, pitfalls and challenges. Medical Teacher, 33(4), pp.291–296.